Debütroman “Biblio Berry”

Im Zuge meiner Masterarbeit, die ich damals über das Thema „Die Bibliothek als Lebensraum“ geschrieben habe, habe ich die Idee, in einer Bibliothek aufzuwachsen und zu leben – und das in einer Zeit, in der es ansonsten keine Bücher mehr gibt, immer weiter ausgesponnen, bis irgendwann dieser Roman, eine Dystopie, dabei herauskam:



 

 

 

Interviews

 

1) Interview zur Neuerscheinung „Biblio Berry“, veröffentlicht auf MENGEDE:InTakt!, dem Online-Stadtbezirksportal von Dortmund-Mengede; Interviewer: Klaus Neuvians; Veröffentlichungsdatum: 01.01.2020

Die Autorin des Buches – Valentina Wunderlich – ist in Mengede bestens bekannt. In der Buchhandlung am Amtshaus hat sie eine Lehre zur Buchhändlerin absolviert, nachdem sie vorher an der Uni Bochum den Master of Arts in Germanistik und Geschichte erlangt hatte. Für MENGEDE:InTakt! hat sie wiederholt Gedichte geschrieben und Buchbesprechungen veröffentlicht – allerdings unter ihrem richtigen Namen: Gabriele Goßmann.
Für das vorliegende Buch hat sie das Pseudonym gewählt, weil sie  “einen ‚sprechenden‘ Namen für das Buch verwenden wollte, ein Name, der inhaltlich zum Buch passt, ohne ihn jedoch mit meinem echten Namen unmittelbar in Verbindung zu setzen, zumal die Autorin im Verlauf der Handlung selbst eine Rolle in der Geschichte einnimmt. Diese Person bin nicht ich, sondern eine weitere Figur, die ich erfunden habe, um meine Intention auszudrücken.”

MENGEDE:InTakt! hat mit der Autorin Valentina Wunderlich ein Interview geführt, das wir unseren LeserInnen nicht vorenthalten wollen:

Sie haben an dem Buch drei Jahre gearbeitet. Wie müssen wir uns das vorstellen: Ideensammlung – Entwurf – Endfassung – alles hintereinander weg?

Nein – der Roman ist aus vielen Bruchstücken entstanden. Schon gegen Ende meines Studiums hatte ich die Idee, eine Geschichte über das Leben in einer Bibliothek zu schreiben. In der Bibliothek zu lesen, zu arbeiten, einen Teil seiner Zeit zu verbringen ist ja normal, aber was ist, wenn jemand in einer Bibliothek aufwächst und diese nie verlässt? Wie sieht er die Dinge? Welches Verhältnis hat er dann zur Realität? Diese Fragen habe ich immer weiter ausgesponnen. Im Zuge meiner Masterarbeit habe ich mich mit literarischen Texten beschäftigt – u.a. Umberto Ecos “Der Name der Rose” und  Cervantes “Don Quijote” – die genau dieses Thema behandeln. Am Anfang habe ich ein konzeptionelles Gerüst entwickelt. Es war mir wichtig, nicht vom eigentlichen Ziel abzuschweifen. Anhand dieses Konzepts habe ich die Handlung entwickelt. Oft hatte ich nur einzelne Gedankenfetzen, die ich erst zum Schluss zu einem Ganzen zusammengefügt habe. Bis zuletzt konnte ich nicht daran glauben, dass die Geschichte je fertig werden würde. Erst als ich nach drei Jahren das Gefühl hatte, alle zentralen Ideen eingebaut zu haben, konnte ich mich an die Endfassung setzen. Dies ging wiederum relativ schnell.

Hat es Sie angespornt, an Ihrem Erstlingswerk zu schreiben oder eher gehemmt? Wie sind Sie mit Zweifeln umgegangen?

Es hat mich sowohl angespornt als auch gehemmt, Ersteres hat aber überwogen. Ich hatte den Anspruch, einen Roman zu schreiben, der anders ist als die üblichen Titel auf dem Buchmarkt. Die meisten Publikumsverlage trauen sich heutzutage nur noch sehr selten etwas; sie riskieren nichts mehr für einen qualitativ hochwertigen Roman. Sie trauen den Lesern nichts mehr zu. Ich möchte mit meinem Roman dieser Entwicklung entgegenwirken. Dieser Gedanke hat mich motiviert, den Roman zu Ende zu schreiben.
Gehemmt hat es mich in dem Sinne, dass ich mich oft gefragt habe, ob ich beim Schreiben alles richtig mache, weil ich zuvor noch nie ein Buch geschrieben habe, wenn dann nur Gedichte oder Kurzgeschichten, und auch keinen professionellen Schreibkurs belegt habe (abgesehen von einem Unikurs für kreatives Schreiben, in dem ich einen Pflasterstein beschreiben sollte). Allerdings habe ich einige Bücher darüber gelesen, wie man schreibt. Dies hat mir sehr geholfen.
Gehemmt hat mich zunächst auch der Gedanke daran, was geschieht, wenn das Buch fertig ist. Wenn es keiner liest. Wenn es scheitert. Ich konnte mich jedoch wieder motivieren, indem ich diese Zweifel irgendwann ausgeblendet habe. Schließlich konnte ich mich mit etwas beschäftigen, das mir viel bedeutet und das Sinn stiftend für mich ist, egal wie andere darüber denken.

Enthält das Buch autobiografische Abschnitte?

Meine Charaktere habe ich größtenteils an bereits existierende literarische Figuren angelehnt, wenngleich ich einen autobiografischen Anteil nicht abstreiten kann. In den drei Hauptcharakteren Vincent, Berry und Liliane finde ich mich wieder: in Vincents Bibliophilie, in Berrys Art und Weise, die Bücherwelten zu erkunden und, ja – als mittellose Literatin sehe ich mich auch. 
In der heutigen Zeit ist es noch schwieriger geworden, sich beruflich mit Literatur zu beschäftigen. Nur auf langen Umwegen konnte ich meine Ziele verwirklichen, und man glaubt gar nicht, mit welcherlei Vorwürfen man tagtäglich konfrontiert wird und für was man sich rechtfertigen muss. Aus diesem Grund habe ich eine weitere Thematik im Buch aufgegriffen, den Zwiespalt zwischen der Literatur- und der Naturwissenschaft. Mein Freund, der wie Equinox Informatiker ist, und ich, die sich der Bücherwelt verschrieben hat, haben in einigen Punkten eine komplett andere Sicht auf die Welt, weil schon allein unsere beruflichen Voraussetzungen völlig andere sind. Mit der Zeit ist mir jedoch klar geworden, dass durch eine Symbiose der beiden Welten noch so viel mehr erreicht werden kann, als wenn jeder auf seine einseitige Sichtweise fixiert bleibt.

Lässt sich das Buch einer der gängigen Gattungen – Zukunftsroman, Gesellschaftsroman o.ä – zuordnen?

Dank eines Literaturwettbewerbs für künstliche Intelligenz, an dem ich mit „Biblio Berry“ teilgenommen habe, kann ich ganz genau sagen, aus welchen Genres sich das Buch zusammensetzt: zu 100% aus Belletristik, zu 94% aus Fantasy und zu 4% aus Liebesroman. Meines Erachtens treffen außerdem Science-Fiction und Gesellschafts- und Entwicklungsroman auf die Geschichte zu. In erster Linie ist der Roman allerdings eine Dystopie.
Meine Absicht war es, verschiedene Genres miteinander zu kombinieren. Darin liegt einerseits ein großes Problem, und zwar die dadurch nur schwierig zu identifizierende Zielgruppe zu finden. Leser klassischer Literatur lesen meistens wenig Fantasy und umgekehrt (wobei es natürlich auch Ausnahmen gibt). Andererseits ergibt sich daraus auch das Potenzial, eine ganz bestimmte Zielgruppe anzusprechen, nämlich die bibliophilen Leser.

Planen Sie weitere Bücher? Wenn ja, haben Sie bereits ungefähre Vorstellungen?

Irgendwann möchte ich auf jeden Fall weitere (wunderliche) Bücher schreiben. Dazu habe ich auch schon einige Ideen. Ich möchte gerne einen Familienroman schreiben. Allerdings brauche ich jetzt erst einmal eine kleine Pause. Der Vertrieb und das Marketing von „Biblio Berry“ werden noch viel Energie kosten, da ich mich um alles selbst kümmere.

 

 

2) Interview zur Neuauflage von „Biblio Berry“, veröffentlicht auf MENGEDE:InTakt!, dem Online-Stadtbezirksportal von Dortmund-Mengede; Interviewer: Klaus Neuvians; Veröffentlichungsdatum: 20.06.2020

 

Wie fühlen Sie sich als Buchautorin?

Nicht so, wie man sich das vielleicht vorstellt. Zunächst fühlte ich mich erleichtert, dass ich das Buch doch nun zum Abschluss gebracht hatte.  Dann aber, das will ich nicht verschweigen, kam eine Portion Unsicherheit hinzu. Das mag mit der Thematik des Buches zusammenhängen. In meinem Roman kommt am Ende ein Virus vor, der die Menschheit ausrottet. Aufgrund der momentanen Corona-Krise wurde ich schon öfters darauf angesprochen. Obwohl ich das Buch schon vor Corona veröffentlicht hatte, wird es zwangsweise damit in Verbindung gebracht.
Das hat mich eher verunsichert, jedoch habe ich gelernt, mit diesen negativen Emotionen umzugehen.

Das Buch ist Ihr Erstling: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, vor allem mit der besonderen Situation des Selfpublishing?

Im Zusammenhang mit der ersten Buchveröffentlichung konnte ich viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Diese habe ich festgehalten, damit ich sie bei der nächsten Veröffentlichung beherzigen kann.

Mögen Sie etwas über Ihre Erfahrungen berichten?

Gerne. Es sind im Grunde genommen fünf Lektionen:

  • Nimm dir mehr Zeit für die Korrektur deines Manuskripts!
  • Nimm Ignoranz nicht persönlich!
  • Finde spezielle Anlaufstellen für Selfpublisher!
  • Finde jemanden, der für dich Suchmaschinenoptimierung betreibt!
  • Werde dir über deine Rechte als Autor bewusst!

Gibt es eine Zielgruppe, die Sie im Blick hatten? Ich frage, weil mich die Themen des Buches angesprochen haben, ich mir aber nicht vorstellen kann, zur Zielgruppe zu zählen.

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass Autoren nicht das schreiben sollen, was sie selbst gerne lesen würden, sondern das, was die Leser am meisten anspricht. Mein Anspruch war es hingegen, etwas zu schreiben, das meine eigenen Werte und Ideale vermittelt. Das hat zwangsläufig die Konsequenz, dass der doch sehr gesellschaftskritische Inhalt von vielen abgelehnt wird oder als zu sperrig empfunden wird und in weiterer Konsequenz natürlich auch geringe Verkaufszahlen zur Folge hat. Meine Freundin hat zu mir gesagt: „Wenn du damit auf die Bestsellerliste kommst, hast du was falsch gemacht.“ Da kann ich ihr nur zustimmen, denn ich zähle meinen Roman nicht zum Mainstream. 
Mit meinem Buch möchte ich vor allem Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftler und Personen aus der Buchbranche ansprechen – konkret: Germanisten, Historiker, Bibliothekare, Archivare, Buchhändler, Deutsch- und Geschichtslehrer … Zugleich aber auch Personen, die sich gerne mit gesellschaftskritischen Themen auseinandersetzen.

Gibt es bereits ein oder mehrere neue Projekte, an denen Sie derzeit arbeiten?

Ja, gerade in der jetzigen Zeit, in der man viel zuhause ist, sind mir so einige neue Ideen gekommen. An einer Idee arbeite ich inzwischen konkret, und zwar an einem Lesetagebuch. Ich selbst besitze eines, das allerdings noch nicht die Kriterien erfüllt, die ich gerne hätte. Und so dachte ich, ich gestalte einfach ein eigenes. Es soll so aufgebaut sein wie die Rezensionen auf meiner Webseite und soll Ratgeberseiten zum Thema Lesen enthalten.

Auf lange Sicht gesehen ist es ein weiteres Ziel, eine regionale Plattform zu schaffen, die es einem als Autor ermöglicht, in der Buchbranche Fuß zu fassen. Dies könnte in der Form eines Vereins realisiert werden. Es gibt zwar schon die Literaturbüros; diese haben jedoch leider beschlossen, keine Selfpublisher mehr zu unterstützen. Ich als Selfpublisher hätte mir nämlich eine Institution gewünscht, an die ich mich bei allen Schritten vor, während und nach der Veröffentlichung hätte wenden können.

Womit haben Sie sich ansonsten beschäftigt?

Ich habe an zwei Schreibwettbewerben teilgenommen, denn diese bieten einem die Möglichkeit, sich als Autor/in zu entfalten und weiterzuentwickeln. Der erste wurde vom Kirschbuch-Verlag zum Thema „Künstliche Intelligenz“ organisiert. Im Zuge dessen wurde mein Buch mit einer neuartigen KI-Software ausgelesen und auf seine Struktur hin überprüft. Auch wenn „Biblio Berry“ nicht für eine Publikation ausgewählt wurde, konnte ich viele neue Kenntnisse aus dieser Werkanalyse ziehen. 

Darüber hinaus sollte mein Roman eigentlich am Twentysix-Messestand auf der Leipziger Buchmesse ausgestellt werden. Durch Corona kam es leider nicht dazu. Dafür habe ich letztens bei der Holzwickeder Gemeindebibliothek an einem Kurzgeschichtenwettbewerb zum Thema Corona teilgenommen und es unter die drei Gewinner geschafft. Das hat mir auch wieder etwas gezeigt: Sich von Rückschlägen nicht einschüchtern zu lassen und immer weiterzumachen, das ist der richtige Weg in die Literaturwelt.